In dem schon mehrfach erwähnten Marken-Eldorado in Elstal trafen wir Silvia in ihrem Crêpes-Auto. Silvia kommt aus Hamburg, hat sich jetzt vor Ort ein Zimmer genommen – “total muffig. Sowas würd´s bei uns nicht geben” - und bereitet Tag ein, Tag aus selbstgemachte Crêpes für zahlende Gäste. Seitdem sie in Elstal ist, hat sie viele arbeitslose Menschen getroffen, denen ganz offensichtlich die Motivation fehlt, sich eine bezahlte Beschäftigung zu suchen. Silvia versteht nicht, warum sie als Hamburgerin in den Osten kommen muss, wenn doch hier so viele Arbeitskräfte sind. Aber seht selbst…
Wir waren bei Andreas in Tangermünde zu Besuch. Er hat uns herzlich aufgenommen und uns an seinem Leben, seinen Erinnerungen an die Vorwendezeit und seine Einschätzungen zur derzeitigen Situation in seiner Region teilhaben lassen.
Liebe Freunde, das heutige Resümee fällt verheerend und daher schriftlich aus. Ein Videoabbild unserer Tränen, der cholerischen Anfälle und geistigen Aussetzer der vergangenen Stunden würde alle zukünftigen Bewerbungsgespräche zu Nichte machen. Stichwort B-Profil. Man muss auch langfristig denken, wir hoffen, ihr versteht das.
Die letzten 15 Stunden bestanden mit Ausnahme einer überschaubaren Schlafphase daraus, vor unseren inzwischen glühenden Rechnern zu hocken und auf Schnittprogramme und YouTube zu warten. Leider scheinen sich die beiden ganz gut zu kennen und im Vorfeld diverse Absprachen getroffen zu haben. Wenn nicht gerade die Software hängen blieb – Linus hat das Dessauinterview mittlerweile fünfmal geschnitten – hat YouTube über Stunden von “nur noch weniger als eine Minute” gesprochen. Meist, um danach mitzuteilen, der Upload sei leider gescheitert. So vegetieren wir nach wie vor im Äquatorialklima Ost-Sachsen-Anhalts vor uns hin und warten.
Eine gute Nachricht gibt es allerdings: DJ Andy hat uns in einem ausführlichen Gespräch tiefe Einblicke in sein Leben vor und nach der Wende gewährt. Sein Weg in die Arbeitslosigkeit und seine erstaunliche Fähigkeit, immer wieder aufzustehen und neu anzufangen haben uns sehr beeindruckt. YouTube-Software-Verschwörungen sind im Vergleich dazu verkraftbar. Andys Weg vom DJ, Schiffskochhausmeister, Eisverkäufer, Imbissinhaber und Hamburger Eiscafébesitzer zum selbstständigen Dienstleister könnt ihr schon bald auf ostintranslation.de sehen. Wir müssen den Film nur noch uploaden…
Der Oscar für den schnellsten Schnitt geht an ostintranslation
Das Fazit des zweiten Tages ist irgendwie verschwunden. Mysterious, mysterious. Dafür, meine Damen und Herren, kommt jetzt das Deluxe-Tonfazit von Gestern. Wir waren in Kursdorf und Dessau (Linus kämpft immer noch mit dem Dessaufilm), haben interessante Menschen getroffen und spannende Geschichten gehört. Listen up and give comments!
Beim Abendessen an der Dessauer Mulde trafen wir Christian (17), Jasmin und Jessica (beide 13) mit ihren zwei kleinen Mäusen. Sie erzählten uns von ihrem Leben in Dessau, von fehlenden Perspektiven und dem Wunsch – oder der Notwendigkeit – die Stadt zu verlassen…
Kursdorf – ein Dorf umgeben vom Flughafen Leipzig-Halle, flankiert von der Autobahn und einer Bahntrasse. Komfortable Wohnlage? Finden die verbliebenen 26 Kursdorfer auch. Die restlichen etwa 300 Bewohner haben bereits vor Jahren das Weite gesucht. Wir haben uns mit dem Betreiber eines Hotels in Kursdorf unterhalten.
Hier liegt Kursdorf, mittendrin statt nur in der Einflugschneise:
Die Mauer am Ende einer Kursdorfer Straße. Sämtliche Häuser hier stehen leer und warten auf den Abriss. Hinter der Mauer starten und landen die Flugzeuge – in der Nacht deutlich mehr als am Tag.
Warten auf den Bus in Kursdorf. Vergeblich.
Linus hängt am Frieden. Mentaler Abbau in Dessau.
Kurz darauf werden wir von einem freundlichen Dessauer zum Plausch in seine 1-Zimmer-Wohnung eingeladen.
Christian, Jasmin und zwei namenlose Mäuse am Muldestrand. In Dessau gibt es für sie keine Zukunft.
Manchmal gehts im Schnittraum etwas chaotisch zu. Daher kommt hier noch ein Interview aus Jena, unserem ersten Halt. Es sind Einblicke in die Gastronomie-Welt in Thüringen…
In der Fußgängerzone in Halle treffen wir Mawata Koulibaly. Sie lebt seit acht Jahren hier. Die Stadt gefällt ihr sehr gut, dennoch möchte sie irgendwann zurück in ihr Heimatland Guinea. Das hört ihre Tochter Aicha nicht gerne…
Auf dem Weg nach Hause fangen wir Herrn Matzke vor der Moritzburg ab, um mit ihm über Halle, Fackeln im Industrienebel und die Beurteilung der DDR zu sprechen.